Ranga Yogeshwar im Interview: „Technik ersetzt nie menschliche Empathie“

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Interview mit Ranga Yogeshwar: „Technik ersetzt nie menschliche Empathie“

Moderator und Autor Ranga Yogeshwar,
der 60 Jahre alt wird, über den Fortschritt und das Alter

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar
feiert am 18. Mai 60. Geburtstag. In seinem Buch „Nächste Ausfahrt
Zukunft“ und in der
ARD
-Dokumentation „Der große Umbruch“ beschäftigt er sich
mit Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz. Im Interview mit
der VdK-Zeitung spricht er über das Älterwerden, Digitalisierung
und Barrieren.

©
WDR/Ralf Wilschewski

VdK-Zeitung: Sie werden 60 Jahre alt. Denken
Sie schon an den Ruhestand?

Ranga Yogeshwar: Ich werde im Mai 60, und das
mit Freude. An den Ruhestand denke ich nicht im Sinne eines
„Rückwärtszählers“. So bezeichne ich
Menschen, die immer sagen: „Ich habe noch so und so
viele Jahre bis zur Rente.“
Aber jede Lebenszeit hat ihre
Herausforderungen. Ich bin jetzt in einer Phase, in der die Kinder
aus dem Haus sind, und in der das Bewusstsein wächst, dass das
Leben endlich ist. Das führt dazu, dass man stärker
priorisiert.

VdK-Zeitung: Können Sie das näher
erläutern?

Ranga Yogeshwar: Ich überlege mir genau, was
ich mit wem tue. Es gibt so viele Begehrlichkeiten: „Kannst du die Sendung machen? Kannst du das Buch
schreiben?“
Dann stelle ich mir die Frage: „Willst du das?“

VdK-Zeitung: In Ihrem Buch und Ihrer
Dokumentation geht es um künstliche Intelligenz (KI). Viele Menschen haben davor Angst …

Ranga Yogeshwar: Interessant ist, dass bei der
Bezeichnung „künstliche Intelligenz“ sofort
die Vokabel „Angst“ fällt. Warum? Dahinter steckt die Angst des
Loslassens. Diese müssen wir ersetzen durch das Sich-Öffnen für
neue Möglichkeiten. Wenn wir uns die Entwicklung der vergangenen
Jahrzehnte und Jahrhunderte anschauen, ist der Fortschritt unter
dem Strich sehr positiv für uns alle – das ist auch die Bilanz
meines Buches. Natürlich müssen wir uns bei allen Innovationen
Gedanken über deren Sinnhaftigkeit machen. Wir haben die
Herausforderung, den Fortschritt reflektiert zu gestalten. Aber
wenn wir das schaffen, wird der Fortschritt ein großer Gewinn
sein.

VdK-Zeitung: Dem VdK geht es um sozialen
Ausgleich. Wie kann KI dabei
helfen?

Ranga Yogeshwar: KI
an sich kann nicht helfen. Wir müssen schauen, dass der Fortschritt
ein Fortschritt für alle wird, und nicht nur für eine Minderheit.
Das ist eine immer wiederkehrende Herausforderung. Wenn wir das
nicht tun, wird eine Gesellschaft irgendwann instabil, und
Instabilität führt auf Dauer zu Konflikten, und dies ist für
niemanden gut.

VdK-Zeitung: Welche Chancen bietet der
Fortschritt in den Bereichen Gesundheit und Pflege?

Ranga Yogeshwar: Großartige Chancen. In meinem
Film sehen Sie, wie KI
Diagnoseverfahren deutlich verbessern kann, auch in Regionen, die
heute noch nicht so weit entwickelt sind. Auf die Frage, ob Technik
menschliche Empathie ersetzen kann, ist aber die klare Antwort:
Nein. Ich gehöre nicht zu denen, die sagen: Es wird den
Pflegeroboter geben. Die Frage ist: Wie sieht es in der
Gesellschaft mit Empathie für die Menschen aus, die älter, ärmer
oder aus anderem Grund benachteiligt sind? Eine Gesellschaft muss
daran gemessen werden, wie sie mit den Schwächeren umgeht.

VdK-Zeitung: Wo sehen Sie hier
Nachholbedarf?

Ranga Yogeshwar: Schauen Sie sich die Deutsche
Bahn an, die es nicht schafft, einen ICE zu bauen, in den Sie ebenerdig einsteigen können.
Wenn man sieht, wie ein Rollstuhlfahrer mit einem Hebewagen in den
Zug befördert wird, müsste man sagen: „Stopp! So
können wir das nicht machen.“
Man müsste die Deutsche Bahn
verklagen. Wie es geht, ist in Japan zu sehen. Dort ist der
Einstieg überall ebenerdig, und die Wagen stehen immer exakt so am
Bahnsteig, dass jeder an der richtigen Stelle in den Zug
einsteigt.

Ranga Yogeshwars Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft. Geschichten aus
einer Welt im Wandel“ ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen
und kostet 22 Euro.

Die TV-Dokumentation „Der große
Umbruch – wie künstliche Intelligenz unser Leben revolutioniert“
ist in der
ARD
-Mediathek abrufbar:
Hier geht’s zum Beitrag
.

Weitere Infos über den Wissenschaftsjournalisten finden Sie auf
seiner Webseite: https://yogeshwar.de

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